Antibiotika-Reste im Wasser: Kläranlagen versagen und die Pharmaindustrie will nicht zahlen

Wenn Medikamente über das Abwasser in die Flüsse gelangen, können Ökosysteme zusammenbrechen. Doch In Deutschland sind nur wenige Klärwerke in der Lage, Arzneimittelrückstände zu eliminieren, was bei Antibiotika gefährlich ist. Wenn sie in die Umwelt gelangen, drohen Resistenzen. In Gefahr sind vor allem Kleinkinder, alte Menschen und Risikopatienten mit geschwächtem Immunsystem. Wenn sie an schweren Infektionen erkranken und sich zugleich antibiotikaresistente Keime in der Umwelt einfangen, dann geht es oft um Leben und Tod. Europaweit sterben jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen an Infektionen mit solchen Keimen, so das Robert Koch-Institut. Fachleute sind sich einig, dass die meisten der rund 3000 kommunalen Klärwerke in Deutschland nachgerüstet werden müssen, mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe. Das aber wird erhebliche Investitionskosten nach sich ziehen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft rechnet mit Gesamtkosten von 36 Milliarden Euro bis zum Jahr 2045. Um die zusätzlichen Belastungen für den Gebührenzahler zu reduzieren, fordern die Vertreter von Verbraucherschutz- und Umweltverbänden sowie der Wasserwirtschaft eine Kostenbeteiligung der Industrie und eine Selbstverpflichtung, bei der Herstellung von Medikamenten und Chemieprodukten umweltschonende Substanzen zu verwenden. „Wir müssen endlich dazu übergehen, dass auch diejenigen, die die Umwelt verschmutzen, auch die Kosten dafür zahlen“, so Martin Weyand, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft. Geschehe dies nicht, könnten die Abwassergebühren drastisch teurer werden. „Wir rechnen damit, dass sie um 15 bis 20 Prozent steigen.“ Doch die Pharmaindustrie will sich nicht an milliardenschweren Kosten zur Reduzierung von Arzneimittelrückständen in deutschen Gewässern beteiligen. Dies sei „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, teilte der Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller mit. Es sei kaum möglich, Wirkstoffe für gut verträgliche Arzneimittel zu entwickeln, die „auch eine optimale Umweltverträglichkeit aufweisen“, heißt es in einem Schreiben an Frontal21. Paul Kröfges vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland sagt: „Wir haben es bisher mit einer strikten Verweigerungshaltung der Industrie zu tun.“ Quelle: Youtube ZDF
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